Mein Leben mit einer Angst- und Panikstörung

Wovor hast Du eigentlich Angst?

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Das ist eine Frage, die ich im Laufe meines Lebens schon sehr oft gestellt bekommen habe. Was ich schlimm daran finde ist, dass ich darauf keine präzise Antwort geben kann. Genau das ist schlimm. Ja, wovor habe ich denn eigentlich Angst? Manche Menschen haben vielleicht Angst vor Spinnen, Schlangen, Höhen, Verlust…was auch immer. Bei mir ist es eine Art Angst, die wirklich nicht mehr normal ist. Ja sicher – Ich habe auch Öngste, die ich definieren kann. Wie eben zum Beispiel dienAngst vor Krankheiten, Verlustängste, Angst vor dem Tod etc. Doch wenn mich einer während einer Panikattaxke fragt, was ich denn habe bzw. warum ich gerade so schlimme Panik habe, kann ich keine Angwort darauf geben. Manchmal kommt auch:“ Du brauchst keine Angst haben.“ Ja, ich weiß das aber ich habe sie. Ich habe sogar in dem Moment Todesangst. Angst davor jetzt sofort sterben zu müssen und mein Körper bzw. meine Vitalzeichen geben mir sogar noch ein bisschen mehr den Grund zur Annahme, dass mit mir irgendetwas nicht stimmt. 

Die Symptome sind unterschiedlich. Mal ist es einfach nur ein hoher Puls. Dann ein trockener Mund und feuchte Hände. Wie wenn man eben etwas Angst bekommt und flüchten möchte. Ich verspüre dann den Drang sehr oft zur Toilette gehen zu müssen. Bei Angst oder Panik entleert man sich, damit man schneller flüchten kann. Das ist dieser Urinstinkt bei der Angst.

Manchmal spinnt mein Körper einfach etwas. Meine Arme und Hände kribbeln, als würden sie einschlafen oder ich habe ein Kribbeln im Gesicht. Oder ich habe irgendwo Schmerzen. Nein, die Symptome sind nicht eingebildet. Ich fühle sie wirklich. Ich habe sie wirklich…diese Beschwerden. Diese Schmerzen…diese Gefühle. Auch das versteht kaum jemand. „Das bildest Du Dir nur ein!“ – kommt oft. Doch ich bilde es mir nicht ein. Auch meine Schweißausbrüche, die man sehen und leider riechen kann und meine Herzrasen bzw. Herzstolpern sind echt. Man kann es dann sogar auf dem EKG erkennen. Doch es ist so gesehen normal und harmlos. Wenn ich das Gefühl habe, keine Luft zu bekommen, habe ich wirklich das Gefühl, dass ich keine Luft bekomme. Einbildung ist was anderes. Dann würde ich keine Schmerzen spüren. Dann wäre auf dem EKG nichts sichtbar und dann müsste ich nicht duschen gehen, weil mir dann ja kein Schweiß in jede Ritze laufen würde, oder?

Trotzdem fehlt das Verständnis was ich auf der einen Seite auch Verstehen kann denn es gibt nicht viele in meinem Umfeld, die das kennen. Bei mir im Umfeld habe ich viele Kämpfer. Menschen, die in ihrem Leben schon einiges mitmachen mussten und erlebt haben. Diese können dann einfach nicht verstehen, dass ich Todesangst habe ohne dass ein Säbelzahntieger vor mir steht.  Wie sollen die es auch verstehen? Diese Menschen haben so viel erlebt und trotzdem denken sie – „Augen zu und durch. Wird schon schiefgehen.“

Ich kann so weder denken noch fühlen. Dann heißt es, man solle doch positiver denken und die Symptome bzw. Gedanken ignorieren. Wie soll ich die ignorieren, wenn mein ganzer Körper unter Strom steht und mir das Gefühl übermittelt, dass ich jede Sekunde umfallen könnte? Tod sein könnte?

Ja, ich habe Angst vor dem Tod. Obwohl dann endlich alles vorbei wäre. All die Angst, all die Probleme, all die Enttäuschung. Das Gefühl, nicht mündig zu sein, das Gefühl, einfach nur ein nervendes, schwarzes Schaf zu sein, was eh nichts richtig machen kann. All das wäre weg. Aber ich wäre es auch… Und das möchte ich nicht denn ich lebe gerne obwohl ich all diese Dinge haben, die mich verletzen.

Ich war so mutig und habe mir für den 20.06. einen Zahnarzttermin ausgemacht. Doch ich gestehe, dass ich jetzt schon am überlegen bin, weswegen ich absagen könnte da ich Angst habe, es nicht zu schaffen. Ich möchte nicht wieder mitleidig angeschaut werden, weil ich evtl. auf dem Stuhl vor Angst in Tränen ausbreche. Ich möchte nicht, dass die dann über mich reden, wenn ich aus Dr Praxis draußen bin. Ja, normal müsste es mir egal sein. Und manchmal tue ich auch so, als wäre mir das Gerede der anderen egal. Ist es aber nicht. Es verletzt mich. Es tut mir sehr weh. Es ist schon schlimm, wenn man so alleine schon merkt, dass manche Menschen das Gefühl hat, man wäre für nichts nützlich bzw. fähig. Es ist traurig, wenn man von jüngeren steht und das Gefühl hat, man wäre ein Kleinkind. Nein…nicht nur das Gefühl hat, sondern auch so behandelt wird. Das tut verdammt weh. Ich werde in 18 Monaten 40 Jahre alt und führe nicht das Leben, was ich gerne führen würde. Zum Teil weil meine Angst mich daran hindert, zum Teil weil ich mir mittlerweile selbst kaum noch was zutraue weil es gesagt wird, dass ich nichts zu Ende bringe und zum Teil, weil es leider einfach nicht möglich ist.

Das Leben ist wirklich kein Ponyhof aber es wäre schön, wenigstens etwas normal zu sein. Sich entfalten zu können, sich das Leben so gestalten können, wie man es gerne hätte.

 

 

Eure Vonny

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