Mein Leben mit einer Angst- und Panikstörung

Sind Panikattacken nützlich?

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Ich versuche ja, aus allem irgendwie rauszufinden, ob es nützlich ist oder eher nicht. Darum habe ich mich gefragt, ob diese wirklich schrecklichen Panikattacken einen Nutzen haben. Denn solche Therorien wurden mir schon erzählt und gelesen habe ich es auch schon.  Okay…gehen wir das Thema mal an. Ich überlege, wann ich diese Panikattacken habe und warum. Ist es gerade in dem Moment nützlich oder nicht? Auf der einen Seite ist mir die Antwort jetzt schon klar aber ich möchte das selbst noch einmal etwas deutlicher sehen und erkennen. Denn ich habe schon gehört und auch gelesen, dass Panikattacken wohl einen Nutzen hätten. Evtl. um sich vor etwas zu drücken, wenn man auf eine Sache keine Lust hat oder als Schutzreaktion. Ich muss gestehen, dass mich diese Aussage wirklich sehr wütend gemacht hat. Ich denke, dass auch einige von Euch gerade da sitzen und mit einem bösen Blick sagen bzw. fragen, was das soll. Warum ich frage, ob Panikattacken einen Nutzen haben. Ich frage es, weil ich auch so wütend über diese Frage bzw. Aussage war. 

Nun überlege ich, in welchen Situationen ich Panikattacken bekomme, warum ich sie bekomme und ob sie einen Nutzen haben. Ich fange mal an, okay?

Beispiel 1 – Panikattacken auf der Toilette: Ich sitze da, denke an nicht, mit wird komisch, bekomme Panik und würde gerne flüchten. Geht aber nicht, da ich mein Geschäft (sorry aber das ist menschlich und es muss jeder) noch erledigen muss. Nutzen? Nein…welchen Nutzen sollte hier in dem Moment denn diese echt unnötige Panikattacke haben? Ich möchte in diesem intimen Moment auch niemanden bei mir haben. Ich möchte meine Ruhe das erledigen, was ich zu erledigen habe. Nein, hier gibt es keinen Nutzen. Die Panik kommt, weil mir aus heiterem Himmel komisch wurde. Ich möchte weder was verhindern noch sonst was.

Beispiel 2  – Panikattacken zuhause während ich aufräume oder sonstige Tätigkeiten ausführe: Ich bin irgendwas am machen…dann kribbeln beide Arme und mein Kopf malt sich aus, ich könnte ja einen Schlaganfall etc bekommen. Meine Krankheitsängste kommen hoch, ich steigere mich unbewusst da rein und bekomme eine Panikattacke. Hat diese Attacke einen Nutzen? Nein! Ich räume nicht auf weil ich es muss, sondern weil ich es möchte. Warum ich dann auf einmal Symptome aus heiterem Himmel bekomme, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ich mich wegen den Symptomen in eine Angstspirale reinarbeite was von der Krankheitsängste kommt und dadurch eine Panikattacke bekomme. Aber einen Nutzen hat die Panik keinen!

Beispiel 3 – Spaziergang mit meiner Mama und den Hunden: ich gehe mit meiner Mama und den Hunden spazieren. Wir unterhalten uns über Gott und die Welt. Auf einmal sticht was oder mein Herz rast oder oder oder und ich bin wieder in der Angstspirale wegen den Krankheitsängsten. Nutzen? Ähm Nein! Eher im Gegenteil denn ich gehe gerne mit meiner Mama spazieren. Vor allem kann man sich so über alles ganz in Tuhe unterhalten. Ich möchte nicht aus der Situation raus oder so. Ich möchte den Spaziergang, die Unterhaltung und die Natur genießen. Hat diese Attacke einen Nutzen? Verdammt nochmal – Nein!!!

Beispiel 4 – Einkaufen fahren mit meinem Mann. Eigentlich fahre ich gerne einkaufen. Ich kann selbstständig gucken, was ich mitnehmen möchte, kann mich evtl. Umentscheiden oder was auch immer. Aber manchmal trifft mich ein Schwindelgefühl und Angst schon am Eingang des Geschäftes. Warum? Ich weiß es nicht denn ich gehe wie gesagt eigentlich gerne einkaufen. Eigentlich heißt, dass ich ohne Angst wahnsinnig gerne einkaufen gehe. Okay…mir gefällt nicht, dass dann so viel Geld ausgegeben wird aber ich habe ja was davon. Welchen Nutzen sollte dann bitte eine Panikattacke haben? Dass ich kein Geld ausgebe? Das würde aber auch bedeuten, dass wir keine Lebensmittel Zuhause hätten. Da mir das alles klar ist, hat auch diese Attacke absolut keinen Nutzen für mich. Eher im Gegenteil, da sie mich daran hindert, für meine Familie zu sorgen.

Beispiel 5 –  Kuscheln und TV mit meinem Mann. Wir machen es uns richtig gemütlich, suchen uns einen Film oder eine Serie aus und wollen in Rihe schauen, reden, kuscheln. Doch dann bekomme ich wie aus dem Nichts Herzrasen. Das Herz fühlt sich an, als würde es aus dem Hals gehüpft kommen und ich habe Angst, dass ich wieder so einen Mega hohen Puls bekommen könnte. Vielleicht ist es ja diesmal was Ernstes und ich muss ins Kranknhaus? Ich steigere mich so sehr da rein, dass ich Panik bekomme, den TV ausschalte und durch die Wohnung hüpfe, als hätte ich nicht mehr alle Tassen im Schrank. Diese Attacke hindert mich an dem schönen Abend, auf den ich mich so gefreut habe. Ist diese Attacke also nützlich? In irgendeiner Form? NEIN!

Ich könnte so weitermachen aber ich denke, dass es Euch nur langweilen würde, da Ihr selbst nach diesen Beispielen merkt, dass die Panik meistens in den ungünstigsten Momenten kommt. Dass sie alles andere als nützlich ist und eher stört. Dass genießen leider eher selten ist und ich mich wirklich sehr darüber ärgere, wenn ich lese oder höre, dass diese Attacken irgendeinen Nutzen haben oder man diese nur bekommt, wenn man selbst was nicht will oder verhindern möchte. Unsinn!!! Wie man an den Beispielen erkennt, kommt die Panik auch in wunderschönen Momenten. Ja, ich hatte sie sogar schon während dem Sex. Klasse…toller Nutzen. Dankeschön!

Angst hat einen Nutzen… Aber auch nur die natürliche Angst. Hätte der Mensch keine Angst, würden sich viele einfach so von einer Klippe fallen lassen um auszuprobieren, wie es so ist ode was auch immer. Aber diese krankhafte Angst und die Panikattacken haben absolut keinen Nutzen. Sie hindern mich daran, mein Leben zu leben. Ist das nützlich? Nein…denn jeder hat verdient zu leben. Auch ich!

Habt Ihr auch schon solche Dinge zu hören bekommen von wegen dass unsere Ängste, die Panik oder die Depressionen einen Nutzen hätten? Wie geht es Euch mit solchen wirklich dummen Aussagen?

 

Eure Vonny

 

 

3 Kommentare

  1. Ich finde nicht das irgendeine Diagnose oder ein Symptom wie z.B. meine Panikattacken irgendeinen Nutzen für mich haben…man muss einfach lernen damit umzugehen, damit zu leben und das bester daraus zu machen.

    • Genau so sieht es aus. Ich finde das auch nicht nützlich…wie man ja lesen kann. Aber ich habe das so oft zu hören bekommen, dass man das evtl. Als „Ausrede“ nimmt und es somit ja doch nützlich sein könnte…das hat mich echt sehr geärgert. Danke, für Dein Feedback und ja…man muss lernen, damit umzugehen…damit zu leben. Mit allen Höhen und Tiefen. Auch mit den Rückfällen, die kommen können. Danke 🙂

      • Ich bin froh dass du das genauso siehst 😉 Wenn Menschen psychische Erkrankungen wirklich als „Ausrede“ benutzen finde ich (entschuldige meine Wortwahl) einfach nur lächerlich und peinlich. Es gibt Menschen die unter sowas wirklich „schwer leiden“ & Menschen die froh sind sowas zu haben damit sie eine Ausrede haben finde ich einfach bemitleidenswert. Ja Rückfälle können leider immer wieder passieren..aber es zeigt Stärke wenn man es jedes mal schafft wieder raus zu kommen, darauf kann man stolz sein!

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